Fremde bekannte Welt

Und wie ist es so wieder in Deutschland zu sein? Diese Frage habe ich in den letzten Wochen öfter gehört. Während meine Antwort mittlerweile „es ist eigentlich alles wieder ganz normal“ ausfällt, war die Antwort in der ersten Woche nach meiner Ankunft noch „es ist irgendwie merkwürdig, komisch aber auf der anderen Seite auch normal“. Warum? Wenn ich so etwas wie einen Kulturschock in Verbindung mit dem Weltwärtsdienstes hatte, dann ist dieser definitiv nicht in Tansania sondern eher erst in abgeschwächter Form nach meiner Rückkehr in Deutschland aufgetreten.

Angefangen bei dem ersten richtigen Tag in Deutschland vor knapp vier Wochen: Ich betrete erstmals wieder einen gut gefüllten Supermarkt und Drogeriemarkt, wo ich mit der Auswahl ein wenig überfordert bin und auf die Frage meiner Mutter „möchtest du noch irgendwas haben?“ am Anfang nur „nein“ antworten kann, denn die Produkte in den Regalen fliegen nur wie in einem Film an mir vorbei und werden in meinem Kopf noch nicht ganz verarbeitet bzw mein Kopf lehnt diesen Überfluss noch entschieden ab. Und das obwohl ich viele Lebensmittel mit der Zeit in Tansania wirklich vermisst habe! Am Nachmittag geht es dann auch direkt weiter zu Ikea, denn für meine Wohnung soll schon so einiges besorgt werden. Während ich durch die Abteilungen gehe, vor mir einen bereits gut gefüllten Einkaufswagen, bin ich überwältigt von der Größe, den ganzen Möbeln und Produkten. Was würden nur manche Leute aus Uuwo zu diesem Einkausfparadies sagen? Ein riesiger Laden mit so viel Einrichtungszubehör und Möbeln wäre für viele wahrscheinlich ein richtiger Kulturschock. Und dann die ganze Deko und irgendwelche (un)nötigen Dinge, die in tansanischen Haushalten nirgendswo zu finden sind. Denn warum sollte man sich Dinge ohne wirkliche Funktion kaufen um sie irgendwo hübsch hinzustellen?

Ein paar Tage später bin ich unterwegs in der Stadt. Die Suche nach einer Jeans gestaltet sich zum Glück unproblematisch. Den Preis von 20€ rechne ich spaßeshalber in Shilling um und staune, was ich alles für die 50.000 Tsh doch in Tansania kaufen könnte! Einen großen Sack Spinat, 100 Orangen, einen großen Eimer Karotten, Zwiebeln, 2 Liter Öl …fast eine ganze Grundschule könnte man mit Gemüse und Obst verpflegen. Ohne weiteres zu kaufen verlasse ich schon fast fluchtartig den Laden, denn fürs erste reicht mir dieser Einkauf. Zurück draußen überquere ich viel mutiger als noch vor einem Jahr die mit vielen verschiedenen Autos befahrene Straße. Naja, ich muss mich schließlich auch nicht mehr fürchten von einem der vielen Pikis umgefahren zu werden. Apropos Piki! Ich stelle fest, dass Motorräder ja eine richtige Seltenheit sind! Da kann ich nicht einfach mal für 80 cent nach Hause gefahren werden. Stattdessen wartet mein Fahrrad auf mich. Aber bei der großzügigen Auswahl an asphaltierten Straßen und Fahrradwegen kann ich mir wirklich kein schöneres Verkehrsmittel vorstellen! Ich lasse meinen Blick auf die Schlei schweifen, die leichte Meeresbrise im Gesicht, und genieße die „ruhige“ Fahrt, denn auf dem gesamten Weg werde ich kein einziges Mal angesprochen. Keine Mzungu-Schreie und keiner dreht sich nach mir um. Ich kann im wahrsten Sinne des Wortes wieder in der Menge untertauchen. Ich stelle fest, wie schön das sein kann, und wie ich das irgendwie vermisst habe! Und doch ist es ziemlich ruhig auf den Straßen und Bürgersteigen. Ruhig in dem Sinne, dass sich kaum einer grüßt, alle beschäftigt sind und man sich teilweise nicht einmal kurz anschaut. In Tansania grüßt jeder jeden, egal ob man sich kennt oder nicht. Ein habari?, hujambo?, shikamoo oder mambo bekommt man immer zu hören. Ja, ich muss wirklich sagen, dass wir in dieser Hinsicht schon ein ziemlich zurückhaltendes und verkrampftes Völkchen sind. Ich füge mich zwar schnell wieder in dieser meist höflichen Zurückhaltung ein und grüße Leute selber wieder viel weniger, aber denke zugleich, dass ein bisschen Freundlichkeit und Offenheit, auch wenn man sich nicht kennt, doch noch niemanden geschadet hat.

Zuhause ist schon die Wäsche fertig. Wie einfach es doch ist, wenn man eine Waschmaschine hat! Nur noch aufhängen und fertig! Wie toll die Erfindung einer Waschmaschine oder Geschirrspülmaschine ist, wird mir jetzt erst klar. In der Küche gibt es einen gut gefüllten Kühlschrank mit Aufschnitt und Milchprodukten an denen ich mich bedienen kann, und abends gibt es Kasseler mit Kartoffeln, Soße und Gemüse. Nach über einem Jahr ein wahres Festessen! Aber um ehrlich zu sein gleicht in der ersten Woche wirklich jedes Essen einem Festessen wie an Weihnachten oder Geburtstagen. Egal ob Frühstück, Mittag- oder Abendessen – alles ist unheimlich lecker und besteht fast nur aus Selten- und Besonderheit in Tansania.

In den nächsten Tagen begegnen mir noch viele dieser Oh-wie-schön- und Aha-Momente, wie z.B. die Erkenntnis darüber wie viele ältere Menschen auf Grund der höheren Lebenserwartung in Deutschland auf der Straße sind, wie ordentlich alles draußen ist, wie schnell ein Zug mich doch in 4 1/2 Stunden ins gut 300 Kilometer entfernte Münster transportieren kann, wie lecker Kugel-Eis mit Sahne ist, wie toll eine heiße Dusche von oben ist oder was für einen hohen Lebensstandard wir hier doch haben und wie dankbar wir dafür sein können und auch sollten. Ich befinde mich anfangs in einer fremden und bekannten Welt zugleich, beginne mich aber auch schnell wieder einzuleben, bereite das nächste Kapitel vor und schließe das letzte super schöne Kapitel, den Weltwärts-Dienst in Tansania, ab. Genauso werde ich nun diesen Blog abschließen, denn dieser Eintrag wird mein letzter sein.

Vielen Dank nochmal fürs Lesen und Mitverfolgen! Es war mir immer eine Freude zu schreiben! Das Schreiben werde ich in Zukunft schon ein bisschen vermissen. Aber nun geht es weiter mit einem neuen aufregenden Kapitel.

Kwa heri!

Eure Lara

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Nachbereitungsseminar

Jetzt bin ich schon wieder fast zwei Wochen in Deutschland und irgendwie fühlt sich alles schon wieder ziemlich normal an. Natürlich ist manches noch ein wenig ungewohnt, aber ich habe mich schon wieder ganz gut eingelebt. Über meine Erfahrungen, was sich so verändert hat und was mir in den letzten zwei Wochen viel aufgefallen ist, werde ich demnächst noch mal einen Artikel veröffentlichen. Mit diesem Blog bin ich also noch nicht ganz fertig.

Doch jetzt soll es erstmal um das Nachbereitungsseminar gehen, welches in den letzten Tagen, vom 07.-11.09, in Münster stattfand. Dort konnten wir nochmal das Jahr Revue passieren lassen und uns alle nochmal wieder sehen, bevor wir uns alle in unsere Studienorte verstreut in Deutschland verteilen. Wir hatten verschiedene Einheiten, die zur Reflexion und zum Nachdenken anregen sollten und vielleicht den einen oder anderen kritischen Winkel auf das Weltwärts-Programm beinhalteten. Zum Beispiel fand an einem Tag ein Kreativ-Tag statt, wo wir individuell ein Ouevre, ein Gesamtkunstwerk, unseres Jahres basteln, malen, modellieren oder gestalten sollten. Am Abend gab es dann eine Austellung der ganzen Werke. An den anderen Tagen betrachteten wir das Weltwärts-Programm eher kritisch auf der institutionellen Ebene, simulierten in einem großen Rollenspiel über zwei Stunden den Welthandel und wurden über Möglichkeiten informiert, wie wir uns nun nach dem Jahr weiterhin entwicklungspolitisch engagieren können. Besonders die letzten beiden Einheiten waren sehr interessant und informativ. Jetzt ist das Seminar und somit unser Weltwärts-Jahr offiziell abgeschlossen und ein neues Kapitel beginnt: Studium und Umzug stehen für mich auch bald an. Für alle, die es interessiert und es vielleicht auch noch nicht wissen: Ich habe mich entschieden Internationale Wirtschaft und Entwicklung in Bayreuth zu studieren. Auf diesem neuen Abschnitt freue ich mich wirklich schon sehr!

Eure Lara

Ein Abschied mit Nervenkitzel

Jetzt sitzen wir am Flughafen in Dubai und warten bis 9:00 Uhr auf unseren Anschlussflug nach Hamburg. Eigentlich wollte ich mich noch ein letztes Mal aus Tansania melden, doch dafür blieb keine Zeit mehr. Warum? Am besten von Anfang an.

Mittwoch Morgen haben wir Abschied von Uuwo genommen und sind mit dem Schulbus der Kiumako gemeinsam mit Pracseda und Upendo nach Bagamoyo gefahren. Dort konnten wir außerhalb des stressigen Stadtlebens Dar es Salaams noch den Abend entspannt verbringen. Am Donnerstag Vormittag sind wir dann nach Dar es Salaam gefahren. Eigentlich waren wir auch gut in der Zeit. Die Betonung liegt auf eigentlich. Wäre uns da nicht der Verkehr in Dar es Salaam in die Quere gekommen. Doch was wären die letzten Stunden in Tansania ohne ein bisschen Nervenkitzel und Ungewissheit? Wir standen auf jeden Fall im Stau und es ging keinen Meter vorwärts. Und es sah auch nicht so aus, als würde sich in allzu naher Zeit etwas bewegen. Während unsere Nervosität stetig stieg und die Zeit uns davon rannte, regelte Upendo, dass ein Pikifahrer uns eine Umleitung zum Flughafen zeigen würde. Zum Glück standen wir so, dass der Bus ohne Probleme auf die andere Fahrbahn wenden konnte. So fuhren wir auf kleinen kurvigen Straßen, die teilweise nicht mal asphaltiert waren, durch verschmutzte Wohngebiete zum Flughafen. Die Spannung stieg. Würden wir es rechtzeitig schaffen? Als wir um 15:20 den Flughafen sahen, fiel uns erstmal ein Stein vom Herzen. Die Anspannung blieb aber. Nach einer leider ziemlich schnellen Verabschiedung von unserer Gastfamilie, musste das Gepäck auf die Waage. Mit 30 kg habe ich das erlaubte Höchstgewicht genau getroffen. Glück gehabt! Nur noch schnell zur Ausreise, Sicherheitskontrolle und direkt ins Flugzeug. Geschafft! Wir waren erstmal alle fertig mit den Nerven und der Gedanke, nach einem Jahr Tansania zu verlassen, wurde bei dem ganzen Stress erstmal in den Hintergrund gerückt.

Nun, in Dubai, wird uns aber ein ziemlicher Kontrast geboten. Wenn ich meinen Blick durch das riesige Flughafen Terminal schweifen lasse, funkeln mich die auf Hochglanz polierten Säulen und Fliesen an, alles ist so groß und modern, es gibt so viel Essen und die ganzen Geschäfte der Konsumgesellschaft mit teuren Produkten überfordern mich einfach nur. Es ist erstmal komisch in dieser “Welt“ zurück zu sein, und es wird sicherlich noch etwas dauern, bis ich wieder vollständig ankommen werde.

Ich werde zwar auch noch einen Artikel zum Nachbereitungsseminar veröffentlichen und eventuell den einen oder anderen Artikel, aber trotzdem wollte ich mich an dieser Stelle schon mal bei euch bedanken, dass ihr über das Jahr meinen Blog gefolgt und gelesen habt! Es hat mir immer sehr viel Spaß gemacht über Projekte oder andere Erlebnisse zu berichten! Vielen Dank dafür!

Bis bald! Ich freue mich euch alle wieder zu sehen!

Kusema kwa heri – Abschiede

Es ist tatsächlich soweit Abschied zu nehmen. So ganz realisieren kann ich es immer noch nicht, denn vor kurzem war diese Woche, die letzte Woche für uns hier in Tansania, noch meilenweit entfernt. Nun ist die Zeit des Abschiednehmens und “der letzten Male“ aber gekommen. Angefangen bei den ganzen Projekten, die letzte Woche das letzte Mal stattgefunden haben. Das letzte Mal Grundschul-Kochen, Samaritan-Kochen, Mazingira-Club, Kunst, Maringa Chini, Dispensary und Makerere liegen schon hinter uns. Aber auch die ganzen Kleinigkeiten, die zu einem festen Bestandteil unseres Alltages geworden sind, werden ein letztes Mal getan. Orte und Plätze in der Umgebung werden nochmal besucht, genauso alle Menschen, die wir über das Jahr kennenlernen durften. Menschen, die durch ihre Herzlichkeit und Gastfreundschaft, unser Jahr zu etwas ganz besonderem gemacht haben. Viele gemeinsame Erinnerungsfotos werden nochmal geschossen und Erlebnisse Revue passiert gelassen.

Die Zeit des Abschiednehmens ist eine schöne und traurige Zeit zugleich. Ein kleines Gefühlschaos, wo sich Freude und Traurigkeit wie Sonne und Regen abwechseln. Wo man mit allen nochmal schöne gemeinsame Momente erlebt, sich danach aber auf ungewisse Zeit verabschiedet.

Höhepunkt der Verabschiedungen war heute nun die Abschluss-Veranstaltung an der Kiumako. Bei gutem Essen und einem Programm, welches von Präsentationen und Auftritten der einzelnen Kurse über anderen Aktivitäten wie eine Tombola, Fotos und einem Wachsbrand deckte, konnten wir uns nochmal bei allen Schülern und Lehrern der Kiumako für das Jahr bedanken und richtig Abschied nehmen. Überraschung für uns war der Auftritt einiger Schüler, die noch extra für uns getanzt und einen Sketch vorgeführt haben. Es war ein sehr schöner Tag an der Kiumako.

Heute werden wir alle nochmal zu den heißen Quellen in der Nähe von Moshi fahren, wo wir zelten und ein gemeinsames schönes Wochenende verbringen werden. Bis Mittwoch, wo wir schon nach Dar es Salaam fahren werden (wir fliegen am Donnerstag Nachmittag von dort los), werde ich mich sicherlich noch mal melden!

Eure Lara

Ein Ausflug mit viel Spiel & Spaß

Am 15. August hatten Sabrina und ich die Möglichkeit einen Ausflug mit der Samaritan School zu machen, da wir noch Spendengelder von der Arbeitsstelle unserer Eltern und aus privaten Umkreis zur Verfügung hatten. Ziel war die Shaurimoyo Grundschule in Moshi, die ähnlich wie die Samaritan eine Klasse für Kinder und Jugendliche mit einer geistigen Behinderung hat.

Den Kontakt zur Schule hat unsere tansanische Mentorin Upendo eingeleitet und gemeinsam mit Mama Mesia, der Leiterin der Samaritan, und den Lehrern der Shaurimoyo wurden im Vorfeld Spiele und ein Programm vorbereitet. Die Spiele wurden in den jeweiligen Schulen schon vorher geübt, so dass am Ausflugstag alle die Spiele kannten.

Um Viertel nach acht haben wir uns am Mittwoch an der Samaritan getroffen, wo noch die letzten Vorbereitungen getroffen wurden. Die Schuluniformen wurden am Vortag nochmal extra gründlich gewaschen und kurz vor der Abfahrt wurden noch die letzten neuen, schneeweißen Socken gekauft. Alle Kinder sollten schließlich in sauberer Kleidung auf den Ausflug gehen. Nachdem alle 30 Schüler mit drei Lehrern im Bus ihren Platz gefunden hatten (Sabrina und ich saßen mit drei anderen Begleitern in einem zusätzlichen Auto), ging es los Richtung Moshi.

Alle bitte einsteigen!

Bei der Schule wurden wir schon von Lehrern und Schülern in Empfang genommen und nach einer kurzen Vorstellungsrunde und dem ersten Händeschütteln wurden nochmal kurz die schon aufgebauten und vorbereiteten Spiele auf dem Sportplatz vorgestellt. In kleinen Gruppen, immer von einem Lehrer begleitet, wurden an den verschiedenen Stationen die Spiele nach Rotationsprinzip durchgeführt. Kegeln, Papiere treffen, Springseilspringen, Reise nach Jerusalem, Luftballon-Lauf oder ähnliches war dabei und bereitete den Kindern sehr viel Freude.

Am Ende gab es noch eine Runde Tauziehen Schule gegen Schule. Anschließend gab es als Belohnung einen Bonbon und einen Sticker für jeden.

Nach einer kurzen Tanz-Einheit mit tansanischer Musik gab es ein leckeres Mittagessen mit Pilau, Reis, Kohl, Fleisch und Wassermelone und Soda und Wasser für jeden. Die Köchin von der Samaritan ist auch extra mitgekommen um dort beim Kochen zu unterstützen. Nach einem großen Gruppenbild wurden die ersten Kinder der Shaurimoyo von ihren Eltern abgeholt, so dass wir uns gegen halb drei wieder auf den Rückweg nach Uuwo machten.

Es war ein sehr schöner Tag, wo die Kinder mal auf Gleichgesinnte treffen konnten, und die beiden Schulen wollen auf jeden Fall in Kontakt bleiben. Vielleicht findet irgendwann ja mal ein Gegenbesuch in Uuwo statt.

Tschüss und hoffentlich bis bald!

Das 2. Fußballturnier der Grundschulen

Am Montag konnten wir gut ein halbes Jahr nach dem ersten Fußballturnier eine zweites veranstalten. Erneut wurden alle 6. Klassen der 5 Grundschulen zum Turnier an der Kondiki Primary eingeladen. Insgesamt gab es wieder 20 Spiele der Jungs- und Mädchenmannschaften und eine Mittagspause, wo alle sich mit Makande stärken konnten. Alle Mannschaften und besonders die Schulen, die beim letzten Mal nicht ganz so gut in der Gesamtwertung dabei waren, zeigten viel Ehrgeiz. So haben dieses Mal auch ganz andere Schulen in der Mädchen-, Jungs- und Schulwertung gewonnen. Den Pokal musste die Uuwo Primary deshalb wieder abgeben, denn dieses Mal lag die Makerere Primary (die letztes Mal übrigens letzter wurde) ganz vorne. Hongera sana!

Abenteuer Arusha Nationalpark – ein Ausflug mit der Makerere

35 Schüler, zwei Lehrer, zwei Fahrer und zwei Freiwillige sitzen um acht Uhr abends irgendwo kurz vor dem Gate des Arusha Nationalparks in der Dunkelheit. Die Schüler sind glücklich und lachen, aber auch erschöpft von dem langen Tag. Die Lehrer sind fast die ganze Zeit am Handy, telefonieren mit den Eltern der Schüler um zu informieren, dass es später wird. Die Fahrer liegen mit anderen Handwerkern unter dem Schulbus und leuchten mit dem spärlichen Licht der Taschenlampen, während Schrauben klimpern. Und Sabrina und ich, die zwei Freiwilligen, sind leicht genervt von der tansanischen Ruhe und den leeren Worten, “dass alles gleich nach kurzer Zeit fertig ist“, während wir schon Alternativpläne schmieden. Doch wie kam es dazu, dass wir uns um acht Uhr abends in dieser Lage befanden? Am besten fange ich ganz von vorne an…

Lange Zeit hatten Sabrina und ich einen Ausflug mit der 6. Klasse der Makerere Primary geplant. Monatelang haben wir versucht Genehmigungen für bestimmte Ausflugsziele zu bekommen, was durch verschärfte Regelungen nicht einfach und ein ziemlich langer Prozess ist. Aber schließlich hat es endlich mal geklappt! Vorgestern, am 11.08, konnten wir einen erlebnisreichen Tag im Arusha Nationalpark verbringen.

Morgens um halb 7 trafen wir uns mit den Schülern an der Makerere Primary. Die meisten waren sehr pünktlich und hatten wie abgesprochen Verpflegung und Wasser dabei. Ebenfalls mit von der Partie waren zwei Lehrkräfte und zwei Fahrer für den ausgeliehenen Kiumakobus und für unser Familiennoah. Nach einem Gruppenbild vor der Schule, verteilten wir uns auf die zwei Fahrzeuge und machten uns in 2 1/2 Stunden auf dem Weg zum Arusha Nationalpark. Eine doch relativ lange aber keineswegs langweilig Fahrt, denn für viele Schüler war dieser Ausflug eine weite Reise in neue und unbekannte Gebiete und dementsprechend wurde die meiste Zeit viel herausgeschaut und gestaunt. Ein ankommendes Flugzeug in der Ferne beim Kilimanjaro Airport, die Spitze des Kilimanjaros, Packesel am Straßenrand und vieles mehr sorgten so schon für Aufregung.

Am Gate angekommen regelten Sabrina, Eli (wie auf so vielen Touren unser Fahrer) und ich alles im Büro, was zum Glück ohne Probleme klappte. Schnell konnten wir in den Park rein fahren. Und gerade mal 100 Meter nach dem Tor sahen wir die ersten Tiere! Drei Elefanten konnten wir in der Ferne im Gebüsch erspähen. Was für ein Glück, denn Elefantensichtungen sind keine Selbstverständlichkeit im bewaldeten Arusha Nationalpark. Kurze Zeit später sahen wir weitere Tiere, wie Zebras, Büffel und Affen und fuhren zum Ngurdoto Krater, welcher auch gerne als die winzige aber ebenfalls sehr schöne Ausgabe des Ngorongoro Kraters bezeichnet wird. Hier konnten wir alle aussteigen und die Büffelherde im Krater betrachten.

Danach fuhren wir weiter in Richtung Momella Seen. Doch nach kurzer Zeit gab der Busfahrer zu verstehen, dass irgendwas mit dem Bus nicht in Ordnung sei. Nach kurzer Überprüfung wurde bestätigt, dass die Gangschaltung kaputt sei. Die starken Jungs mussten also helfen den Bus mit Anschieben zu wenden, damit wir zurück fahren konnten und jemand sich das Problem anschauen konnte. Am Haupteingang wurde dann schnell festgestellt, dass der Bus kurz in die “Werkstatt“ muss. Währenddessen haben Sabrina und ich die am Vorabend im Licht der Stirnlampen (auf Grund von Stromausfall) gemachten Mandazi und gekochten Eier an die Schüler ausgeteilt. In der Wartezeit wurde zudem die Elefantenstatue, der Kiosk und Souvenirladen ausgiebig erkundet, und wir hätten wahrlich an einem schlechteren Ort verweilen können. Außerdem beobachteten wir die ganzen anderen europäischen, asiatischen und amerikanischen Touristen. Und sie beobachteten uns. Ganze vier Gruppen haben sich nach und nach entschieden den Schülern ihre teilweise vollständigen Lunchpakete zu überlassen und unaufgefordert Fotos von uns zu machen. Waren wir wirklich so zu bemitleiden? Eigentlich nicht. Die besonderen Leckereien in den Lunchpaketen wurden natürlich trotzdem gerecht ausgeteilt, denn Kinder haben schließlich immer hunger. Dennoch war uns die Situation unangenehm, da wir so von manchen Touristen-Gruppen das Gefühl vermittelt bekamen, bemitleidet zu werden und ohne gefragt zu werden wie Tiere im Zoo fotografiert wurden. Für viele war dieser Akt der Barmherzigkeit wahrscheinlich der erste und auch einzige “Kontakt“ zu Einheimischen, was sie später mit stolz auf den mitgebrachten Urlaubsfotos Zuhause zeigen können. Aber es war ganz interessant, wenn auch komisch, es mal aus dieser Perspektive mit zu erleben. Nach knapp zwei Stunden haben wir jedenfalls einen neuen Bus für die restliche Zeit im Park organisiert bekommen, so dass wir endlich nochmal 3 1/2 Stunden im Park sein konnten.

In dieser Zeit sahen wir noch viele Tiere, wie verschiedene Affenarten, Giraffen, Digdigs, Buschböcke, Büffel, Warzenschweine, Zebras, Flamingos und Wasserböcke. Für die Kinder waren die Tiersichtungen total aufregend, denn die meisten Tiere kannten sie bisher nur aus ihren Schulbüchern. Diese Tiere mal in freier Wildbahn und in echt zu sehen ist schon was besonderes, was nur wenige Einheimische behaupten können! Die großen Tieren haben es den Kindern am meisten angetan, und oft wurde ein grauer großer Stein in der Ferne schnell als Tembo (Elefant) bezeichnet. An den wunderschönen Momella Seen machten wir noch mal eine Pause mit frischen Orangen als Stärkung. Von dort aus ging es dann auf einem anderen Weg mit weiteren Tiersichtungen zurück zum Haupteingang des Parks, wo wir um ca. 18 Uhr hinaus und zu der provisorischen “Werkstatt“ vom Kiumako Bus fuhren.

Leider wurde uns gesagt, der Bus sei bald fertig und wir müssten nur kurz warten. Die Wartezeit versüßten Sabrina und ich anfangs noch mit ein paar Keksen für jeden Schüler. Doch schließlich zog sich alles ziemlich in die Länge, so dass wir uns um 20 Uhr in beschriebener Lage befanden. Die Männer taten ihr bestes mit nur wenig Werkzeug den Bus zu reparieren, doch unser Misstrauen wuchs weiter. Würde die Gangschaltung nach der Reparatur wieder funktionieren? Und was machen wir, wenn es nicht so ist? Wir können ja schlecht mit 35 Schülern hier übernachten! Also versuchten wir schon mal einen Ersatzbus bis nach Mwika zu organisieren, denn so was beansprucht schließlich auch viel Zeit. Während wir einfach nur gut für den schlimmsten Fall vorbereitet sein wollten, wiederholten die Fahrer immer wieder “it will work, only a few more minutes“ . Ja, das wurde auch schon vor einer Stunde gesagt, dachten wir uns nur. Aber tatsächlich! Wir hatten es kaum mehr für möglich gehalten, doch um halb neun wurden diese Worte wahr, und wir konnten uns auf den Heimweg machen. Trotz wenig Werkzeug und keiner richtigen Werkstatt hat es irgendwie funktioniert! Respekt an alle, die den Bus repariert haben!

Um halb elf erreichten wir schließlich die Schule, wo bereits einige Mütter warteten, damit die Kinder nicht alleine im Dunkeln nach Hause laufen mussten. Die anderen hatten die Möglichkeit bei der einen Lehrerin Zuhause auf dem Schulgelände zu übernachten. Ein erlebnisreicher und langer Tag ging so zu Ende. Die Kinder hatten sicherlich einiges Zuhause zu erzählen…